HeilÜben und Mnemotechnik

„[…] das wahre Selbst ist nicht etwas, das man findet, sondern etwas, das man schafft […]“

Sydney J. Harris¹

Das HeilÜben ist ein Mentaltraining, das auch den planvollen und gezielten Umgang mit Vorstellungsbildern umfasst. Darin zeigt sich die Nähe des HeilÜbens zur Mnemotechnik.

Während ich meine HeilÜbungen gegen meine rheumatoide Arthritis aufstellte, musste ich mir oft merken, was half und was ich verbessern musste. Zugleich hatte ich aber kaum die Möglichkeit, mir etwas in aller Ruhe aufzuschreiben. Es ist enorm schmerzlich, gute Einfälle mitten im Alltagstrubel zu vergessen, kostet Zeit und Gelegenheiten, Zusammenhänge beobachten zu können. Deshalb war ich meist darauf angewiesen, mir meine Entdeckungen während des HeilÜbens ohne viele Notizen schnell und sicher merken zu können.

Mittels Mnemotechnik konnte ich mir die Reihenfolge von HeilÜbungen besser merken und jederzeit aus meinem Gedächtnis abrufen, ohne dass ich dafür jedes Mal meine Aufzeichnungen zur Hand nehmen musste. So konnte ich meine Übungen im Alltag ausführen, während ich zur Arbeit ging und mich um Haushalt und Familie kümmerte. Das sparte mir zum einen eine Menge Zeit. Zudem behielt ich neue Ideen trotz Ablenkung besser im Kopf.

Ich konnte mich unmittelbar darin üben, schädigende Anspannung in alltäglichen Situationen zu erkennen und genau dort auch abzubauen, ohne etwas zu vergessen. Fiel mir eine neue Übung ein oder konnte ich eine Übung beispielsweise gerade dann verbessern, wenn ich unterwegs war, merkte ich mir meine Überlegungen verlässlich. Dazu brauchte ich wenig oder sogar keine extra Notizen. Mit dem HeilÜben gebe ich heute auch meine Erfahrungen mit der bewussten und absichtlichen Gestaltung innerer Bilder und ihrer Speicherung im Langzeitgedächtnis weiter.

Die Beschäftigung mit der Frage, wie unsere Vorstellungsbilder entstehen, kann eine sehr persönliche und bereichernde andauernde Erfahrung über die Wirkung von uns selbst in uns selbst sein. Je nachdem, woran wir ein aktives Interesse haben, nehmen wir auch unsere Vorstellungen davon und wie sie uns beeinflussen bewusster wahr. Die bildhafte Vorstellung von etwas, die vor unserem inneren Auge entsteht, kann uns bei unserer Erinnerung und bei Entscheidungen helfen. Wir können unsere Lern- und Merkfähigkeit mit Vorstellungsbildern verbessern.

Es ist keinem von uns möglich, alles, was uns weiterhilft, im Leben selbst neu zu erfinden. Unser Leben ist zu kurz dazu, jedes Rad neu zu erfinden, aber lange nicht zu kurz, um viele Räder zu benutzen.

Mit der Mnemotechnik haben wir die Möglichkeit, Vorstellungsbilder schnell und gezielt miteinander zu verbinden, um sie uns in einer bestimmten Reihenfolge zuverlässig zu merken, sogar in großer Zahl.

Während der Entstehung des HeilÜbens nutzte ich zuerst die Loci-Methode und einschlägige Hintergrundlektüre¹,² und entwickelte die Verbindung und Speicherung von Bildern für mein eigenes HeilÜben selbst weiter. Dadurch erhielten meine Kreativität sowie mein Lern- und Merkvermögen einen Boost. Zugleich lernte ich, mich besser zu fokussieren, besser zu planen und Wissensinhalte aufzubereiten.

Schwerpunkt des HeilÜbens Level 1 Teil 1 ist es, mit dem eigenen bildhaften Denken bewusster und absichtlicher umzugehen, um sich auf der Basis der eigenen Fähigkeiten aktiv weiterzuentwickeln. Dabei verbessern sich auch Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit, unser Selbstbewusstsein wird stabiler.

Was die Gefahr wesentlich mindert, in unserer eigenen Entwicklung stecken zu bleiben, sind Information und Training.

Ein Leben lang.

Auch über und mit Mnemotechnik lässt sich wesentlich mehr lernen und im Gedächtnis verankern als mit dem vergleichsweise kleinen Teil, den ich ins HeilÜben eingeflochten habe.

Es ist so wie mit dem Augenblick, in dem wir aus den Dünen oder hinter Felsen hervortreten, das erste Mal das Meer sehen und in dem Moment verstehen, dass seine Ausmaße ganz andere sind, als wir bisher annahmen.

Unser Atem wird weiter, wir fühlen uns entsprechend der Größe und Gewalt des Meeres klein und bekommen eine Ahnung, dass da für uns mehr Möglichkeiten sind als gedacht.

So ist es auch mit unserem Lernen.

Unsere Lernerfahrungen führen zu Annahmen über das Lernen allgemein. Denn die Vorstellung von unseren eigenen Möglichkeiten, zu denen auch das Lernen gehört, ist von unseren Vorerfahrungen in erheblichem Maße beeinflusst. Beschränkend wirkt sich das aus, wenn man zu viele negative Erfahrungen gemacht hat, die man nicht mehr hinterfragt hat. Dann bleiben Missempfindungen mit dem absichtsvollen Lernen verbunden. Die engen Grenzen, die man sich infolgedessen selbst aus Gewohnheit und negativer Erfahrung steckt, limitieren die gesamte Persönlichkeit. Denken Sie daran, wie es war, als Sie das erste Mal das Meer sahen. Die Schulen, die wir besuchten, und das, was wir dort als Lernen kennenlernten, zeigten vielen von uns nicht annähernd die Dimensionen des Lernvermögens, das wir besitzen. Die Möglichkeiten unseres Gehirns haben andere Ausmaße, als die meisten von uns bisher annahmen. Wenn wir uns etwas davon erschließen wollen, ist es wie beim Handwerk oder im Sport: Stetes Training macht den Meister und nur dann, wenn wir uns ein Leben lang weiterentwickeln, bleiben wir nicht stehen oder fallen zurück.

Denken Sie sich noch einmal zum Meer zurück an einen sicheren Strand bei angenehmem Wetter. Fühlen Sie die Dimension des Meeres, fühlen Sie sich, fühlen Sie Weite und Glück. Exakt dieses Gefühl fand ich auch bei der Beschäftigung mit der Mnemotechnik, mit einem Lernen, das jedem Gehirn angemessen ist.

Es ist eine Dimension von sich selbst, die das ganze Leben durchdringt.

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