Nach meiner Erfahrung mit der Ausheilung von Entzündungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sowie dem chronischen Verlauf meiner rheumatoiden Arthritis vor nunmehr über fünfundzwanzig Jahren lag der Grund für die Entstehung, Aufrechterhaltung und Heilung in der Qualität der Anspannung von Muskeln und Sehnen an meinen Gelenken bei Körperhaltung, Bewegungsvorbereitung und -ausführung.
Auslöser überlastender Anspannung können sowohl im seelischen als auch im körperlichen Bereich liegen, stellte ich fest.
Anspannung ist die Folge von Stress.
Als negativ empfundene Emotionen und körperliche Missempfindungen bedeuten negativen körperlichen und emotionalen Stress.
Anspannung erhöht wiederum das Stresslevel...)
Je nachdem, wie gut es gelingt, für Stress eine Lösung zu finden, kann die entstandene Anspannung auch wieder abgebaut werden.
Jahre vor meiner Erkrankung an RA fand ich für mich eine vermeintliche Lösung:
Gegen negative Emotionen und körperliche Missempfindungen baute ich einen etwas stärkeren muskulären Gegendruck in mir auf. Mit ihm konnte ich unangenehme Empfindungen wegdrücken, bekam mich gut in den Griff und war durchsetzungsfähig. Anspannung mit mehr Anspannung zu begegnen empfand ich als hilfreich. Zuerst in einzelnen Situationen, später öfter bis hin zu einer höheren allgemeinen inneren Anspannung. Hatte ich mehr Druck von außen, regulierte ich mit etwas mehr Gegendruck nach. Meine innere Anspannung blieb bestehen und ich gewöhnte mich so sehr an sie, dass sie Teil meines normalen Lebensgefühls wurde und ich sie nicht mehr wahrnahm.
“Sag du es ihr”, sagte meine Seele zu meinem Körper: “Auf mich hört sie nicht.“
Im Jahr 1994 bekam ich die Diagnose beginnende schwere rheumatoide Arthritis/chronische Polyarthritis mit aggressivem Verlauf.
Anhand der Feststellung einer Autoimmunerkrankung konnte jedoch nicht die Frage beantwortet werden, worauf mein Körper so reagierte. Also machte ich mich selbst auf die Suche nach der Ursache meiner Erkrankung.
Ausgehend davon, dass die Position des Skeletts die Muskelfunktion bestimmt und Muskeln und Sehnen wiederum Einfluss auf Knochen und Gelenke haben, legte ich beim HeilÜben mein Hauptaugenmerk auf anatomisch korrekte Bewegung sowie auf das Aufdecken und Vermindern krankmachender Überlastung.
Dabei fand ich eingeschliffene Gewohnheiten, bei denen ich Druck und Anspannung mit in meine Haltung und Bewegung hineingenommen oder längere, regelmäßige Fehlhaltungen in meinem alltäglichen Leben zugelassen hatte. So konnte ich meinen Umgang mit mir selbst weiter verbessern.
Als ich an RA erkrankte, war mir ihre Ursache nicht klar, weil ich meine zu der Zeit gewohnte übermäßige Anspannung nicht in Verbindung mit der Erkrankung erleben konnte. So war ich zunächst überrascht und ratlos.
Ich begann, mir allgemein bekannte Vorgänge zu verdeutlichen und folgerte daraus auf meine Situation.
Stress empfinden wir durch Anspannung körperlich und seelisch. Um unsere Anspannung dem richtigen Auslöser zuzuordnen, greifen wir auf das, was wir bisher erlebt und erfahren haben, zurück; wir nutzen unseren Verstand und unsere Intuition. Mal mit beidem, mal mit dem einen weniger und dem anderen mehr.
Hinzu kommt, dass Anspannung nicht grundsätzlich offensichtlich ist und sich nicht immer z. B. an hart gespannten Muskeln zeigt, sondern auch kleinräumig auftreten und schwer zu erfühlen sein kann. Schauen wir zunächst auf einige Vorgänge in unserem Bewegungsapparat:
Stellen Sie sich vor, dass Sie gesund sind und einen schweren Wassereimer anheben und tragen. Unsere gespannten Muskeln sind dann gut zu erkennen. Beispielsweise an unseren Oberarmen. Die Erfahrung sagt uns, dass wir diese Spannung gut fühlen und tasten können. Auch andere können dann unsere gespannten Muskeln und unseren Kraftaufwand mit Leichtigkeit wahrnehmen. Unsere Muskeln, die wir zum Zweck des Hebens und des oben Haltens gespannt haben, sind dann härter als in entspanntem Zustand.Sie sind auch über unsere Sehnen mit unseren Knochen und Gelenken verbunden. Kraftübertragung in unserem Bewegungsapparat wirkt sich auch über unsere Muskeln, Sehnen und Faszien auf unsere Knochen und Gelenke aus, was uns die verschiedensten gesünderen und ungesünderen Körperbewegungen und -haltungen ermöglicht.
Stellen Sie sich nun vor, dass Sie den Wassereimer wieder absetzen. Wir wissen aus Erfahrung, dass sich die Muskeln, die wir gerade noch spannten, nach getaner Arbeit entspannen. Sie sind nun wieder weicher und ihrer relativen Ruheposition entsprechend normal lang. Dasselbe gilt für unsere Sehnen. Wir fühlen uns im wahrsten Sinne des Wortes entlastet.
Je besser wir in unserer Körperbewegung und -haltung einen dynamischen Wechsel zwischen Krafteinsatz/Spannung und Entspannung, zwischen Belastung und Entlastung erreichen, umso gesünder ist das für uns.
Würden wir unsere Spannung nach dem Absetzen des Wassereimers nicht lösen oder hielten wir den Wassereimer länger, bis zum Ende unserer Kraft, würden wir das deutlich an Zittern und an brennendem bis reißendem Schmerz spüren, bis die beteiligten Muskeln uns letztlich den Dienst versagten. In solchen oder ähnlichen Situationen können wir unmittelbar beobachten, dass und wie bestimmte unserer Handlungen bzw. Verhaltensweisen zu Schmerz und unter Umständen sogar zu Verletzung führen.
Zum nächsten Artikel bitte hier entlang:
*im Gegensatz zu beispielsweise isometrischen Übungen beim Krafttraining