Eine starke Emotion fand schneller als ein bewusster Gedanke zu einem körperlichen Ausdruck

Von 1999 bis 3/2001:

In diesen Jahren erlebte ich noch einige vereinzelte und immer seltener auftretende Anfangsreize. Sie äußerten sich durch ein beginnendes Ziehen in einzelnen Bereichen wie den Händen, Handgelenken, Armen oder Füßen. Dieses Ziehen glich ich dann unmittelbar nach Auftreten mit meinen Übungen innerhalb weniger Minuten aus. Genau so, wie man einem Krampf in der Wade oder einem Kopfschmerz schnellstmöglich und nicht erst irgendwann später Einhalt gebieten will.

Ich beobachtete, dass, als ich zum Beenden der Anfangsreize in der Lage war, Entzündungen, Schmerzen, Schwellungen oder gar Bewegungseinschränkungen nicht mehr auftraten.

Die übermäßige Anspannung, die mich zuvor so krank gemacht hatte, tat ich mir nach meiner Ausheilung nicht mehr an, denn ich empfinde erste Anzeichen dafür seither rechtzeitig auch körperlich, und zwar als unangenehmes Ziehen.

Mein ständiges inneres Wachstum und damit neben aller intensiven Freude und Erweiterung auch “das Leiden, das zum Wachstum gehört”¹, bedeutet, dass ich mit Körper und Seele bewusster empfinden und handeln (auch trauern, etwas innerlich verarbeiten, mich bewusst für “Flucht oder Angriff” entscheiden, Hilfe bei anderen erbitten…) kann, bevor die innere Last sich erneut so anstaut, dass der Körper daran ernstlich erkrankt. Der Grad, in dem ich mir über den Zusammenhang zwischen bewusstem Empfinden und Handeln und dem Abbau innerer Belastung im Klaren bin und mich entsprechend trainiere, bestimmt, wie gut ich mir selbst helfen kann. Nach meiner Überzeugung ist dieses Vorgehen für mich auch dazu geeignet, einer weiteren rheumatoiden Arthritis vorzubeugen.

Mit meiner Gesundung war das Thema Rheuma für mich abgehakt. Mein Leben raste weiter. Ich vergaß die Arthritiszeit einfach.

Bis meine Tochter nachfragte …

Anfang 2010 tippte ich erstmals ‘chronische Polyarthritis’ und ‘rheumatoide Arthritis’ in die Computertastatur und las, wie diese Erkrankung in zahllosen anderen Fällen weiter verlief. Das Ergebnis entsetzte mich, machte mich traurig.

Und eine starke Emotion fand sekundenlang auch körperlichen Ausdruck:

Das altbekannte Ziehen in meiner Hand meldete sich zu Wort:

„Hör auf deine Seele.”

Das tat ich und musste mir eingestehen, dass sich Körper und Seele noch an die Angst vor dem Arthritisschmerz, vor der Erschöpfung nach Schmerzattacken, vor den Folgen von Medikamenten und Entzündungen und davor, dass Schmerzen und Schwellungen so erschreckend unvorhersehbar mal hier mal da in meinem Körper auftauchten, erinnerten. Und ich hatte Angst davor, wieder einmal so krank zu sein und mich erneut derart hilflos einer körperlichen “Willkür” ausgeliefert zu fühlen wie damals.

Indem ich mir meiner Empfindungen bewusst wurde, entspannte ich mich und das Ziehen verebbte.

Die Suche nach mehr Sinn, Erklärung, Glück, Erfolg und Selbstverwirklichung, nach Lebensweisheit braucht keinen kranken Körper, selbst wenn der Wert der Gesundheit oft erst durch Krankheit erfahren wird und die Selbsterfahrung insgesamt durch den Leidensdruck herausgefordert werden kann.

Unter der Ausheilung meiner rheumatoiden Arthritis/chronischen Polyarthritis verstehe ich die Abwesenheit aller darauf zurückzuführenden Beschwerden seit über 24 Jahren, was mir seitdem wieder eine uneingeschränkte Beweglichkeit ermöglicht. Ich bin der Ansicht, dass ich das HeilÜben rechtzeitig einsetzte, um bleibende Einschränkungen zu verhindern.

Auf meinen Körper habe ich heute einen bewussteren und deshalb gesünderen Einfluss als vor meiner Heilung von RA.

Mich zu zwingen oder etwas durch mich selbst zu erzwingen, indem ich dabei meinen eigenen Körper in Anspannung versetzte und sogar darin verharren ließ, überlastete mich und machte mich krank. Meine Alternative bestand nun in freundlicheren Umgangsweisen mit mir selbst, dank derer ich übermäßige Anspannungen rechtzeitig erkennen und abbauen lernte. So konnte ich dem Leben in den verschiedensten Situationen mit weniger Anspannung begegnen.

Selbsthilfe bei rheumatoider Arthritis ist eine ernstzunehmende Selbstentwicklung. Sie trainiert auch weitere Kompetenzen wie Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen. Auch über meine Ausheilung von RA hinaus sind diese für mich wichtige Fertigkeiten.

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