“Ist meine rheumatoide Arthritis heilbar?” Mein Beispiel für Glaubenssätze und was sie bewirken können

 Oft höre ich von betroffenen Menschen den Satz: „Rheumatoide Arthritis kann man nicht heilen!“

Recht populär ist die Überzeugung von der rheumatoiden Arthritis als einer Autoimmunerkrankung, bei der sich der Körper selbst angreift. Daraus wird oft abgeleitet, dass die Arthritis nicht heilbar sei. Schon gar nicht durch den Betroffenen selbst, denn:

„Wenn schon die Ärzte (als die Götter in Weiß) nicht wissen, wie die rheumatoide Arthritis tatsächlich geheilt wird, wie soll ich (einfacher Mensch) es denn wissen?“

Die zugrunde liegende Argumentation nach dem Eher-und-Weniger-Prinzip lautet: „Wenn etwas dem, dem es eher zukommen könnte, nicht zukommt, dann ist offensichtlich, dass es auch nicht dem zukommt, dem es weniger zukommen könnte.“

Wem etwas eher zukommen könnte, wird zumeist recht schnell mit Blick auf das als umfangreicher angenommene Wissen des Mediziners beantwortet: „Dem Arzt natürlich!“

Diese Überzeugung wiegt schwer.

Viele Betroffene vertrauen ihrem Körper nicht mehr und resignieren bezüglich ihrer Selbst-Wirksamkeit.

Im Umgang des betroffenen Menschen mit „seiner“ rheumatoiden Arthritis spielen selbstbezogene Überzeugungen eine wichtige Rolle.

Eine negative Selbstüberzeugung könnte dann so aussehen: „Mein Körper entzieht sich meinem Einfluss. Ich will nicht krank sein und trotzdem greift sich mein Körper selbst an. Im Hinblick auf biochemische Vorgänge und Genetik bin ich machtlos. Ich kann mir eben gerade deshalb schon gar nicht ursächlich selbst helfen. Also ist eine Heilung durch mich selbst nicht möglich.“

Solche Sätze sind geeignet, als sich selbst erfüllende Prophezeiung zu wirken: das Ergebnis entspricht der inneren Überzeugung und bestätigt diese erneut. Die implizite Folgerung: „Sie machen sich bzw. ich mache mich selbst krank/kaputt!“, transportiert auch die Überzeugung von der eigenen Schuld als Ursache, das Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Selbstwirksamkeit gerät ins Wanken. Das hebt nicht wirklich die Motivation. Die Suche nach den Ursachen und Lösungen durch den Betroffenen versandet.

So wird der Betroffene auch zum inneren Klienten (Abhängigen) der Schulmedizin. Als solcher lässt er Symptome unterdrücken und wird in Folge dieser Symptomunterdrückung durch die Nebenwirkungen aggressiver Chemie, die selbst keine Heilung herbeiführen kann, noch mehr zerstört.

Wie soll man auch gesunden können, wenn die RA doch eine „Autoimmunerkrankung“ oder „genetisch bedingt“ ist oder „biochemische Vorgänge ablaufen, die die eigenen Gelenke zerstören“ und nicht zu beenden” sind?

Medizinische Termini werden auf diese Weise für den Betroffenen zu Worthülsen, die für ihn lediglich Leerformeln oder fragmentarisches Wissen bedeuten und von ihm als Endpunkt in seiner eigenen Einfluss- und Erkenntnismöglichkeit gewertet werden. Das behindert das eigene Verständnis, die eigene Motivation, die eigene Handlung und erschwert Selbstheilungsbemühungen und -erfolge.

Petermann et al. beschreiben den Verständnis behindernden Gebrauch von Worthülsen. „Die Verwendung […] lässt sich aber auch vermuten bei Erklärungen, wie „das ist genetisch“, „das ist psychosomatisch“ oder „es funktioniert elektrisch“ und verweisen auf ein bewährtes Gegenmittel, auf die Frage „Ja, aber wie?“ “

Aus der Diagnose rheumatoide Arthritis/chronische Polyarthritis bekam ich also keine Hilfe gegen meine Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Sie behinderte meine Suche, schränkte meine Möglichkeiten genau um die sehnlichst gewünschte Gesundung ein. Weder mein Arzt noch meine Mitmenschen hielten eine Heilung für möglich. Ich aber wollte mich nicht mit der Erkrankung abfinden, mich nicht mit ihr einrichten, sie nicht als einen Teil von mir annehmen lernen, kein Klient bleiben.

Mein eigenes Herangehen formte ich zunächst in meinen Überlegungen: „Der Schüler ist der reinen Lehre am nächsten“, las ich. Das leuchtete mir sofort ein, denn der Lernende, Wachsende steht unmittelbar im Prozess des Seins und Werdens. In diesem Sinne nahm ich diese rheumatoide Arthritis als zu bewältigende Herausforderung auf meinem Weg.

Als Mensch mit RA war ich von der Erkrankung unmittelbar selbst am stärksten betroffen. Für mich gibt es keine größere körperlich und seelisch existenzielle Nähe als die des unmittelbar selbst-betroffen-Seins.

Deshalb ist für mich immer der Selbst-Betroffene derjenige, der die höchste Motivation entwickeln kann, ausdauernder und unnachgiebiger als jeder andere für sich, für seine Heilung zu kämpfen. Sie ist sein ureigenstes Interesse.

Da war also zuerst ich selbst gefragt! Meine Heilung war mein ureigenstes Interesse! Mit der Zeit wurde ich mein eigener Coach*.
Ich bildete meinen eigenen Eher-und-Weniger-Satz: „Wenn es den, den es unmittelbar und existenziell betrifft, nicht zur Mobilisierung aller erdenklichen Möglichkeiten (einschließlich des Weiterentwickelns und Weiterlernens) veranlasst, wie sollte es dann den veranlassen, den es weniger (mittelbar durch berufliches oder/und sonstiges Interesse) betrifft?“

Von da an habe ich meine Sache aktiver vertreten, als andere das je für mich hätten tun können.

Als tauglich zur Heilung erwiesen sich die mir selbst ständig wieder neu gestellten Fragen: „Ja, aber wie? Wann? Wo?“ Mit ihrer Hilfe habe ich die Antworten und Erkenntnisse gefunden, aus denen meine Ausheilung resultiert.

Zum nächsten Artikel: HeilÜben bedeutet, unsere eigenen Fähigkeiten zu trainieren und zur Selbsthilfe einzusetzen

.

Alles Gute auf Ihrem eigenen Weg!

Laureen

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Quellen

*Petermann, Franz, Niebank, Kay und Scheithauer, Herbert, Entwicklungswissenschaft, Springer 2003

**also Cohn, Ruth C. in Cohn, Ruth C., Farau, Alfred, Gelebte Geschichte der Psychotherapie, Klett Cotta 1984

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Bildnachweis:

Die Bilder in diesem Artikel stammen von Gabriel Marques und daniyal ghanavati von pexels.com

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