… Bevor ich eine Erklärung für meine rheumatoide Arthritis gefunden hatte, fühlte ich mich in einem Körper, der ohne mein Zutun machte, was er wollte. Es war gerade so, als würde man sein Auto durch den Straßenverkehr steuern wollen, aber alles Lenken und Schalten hätte nur noch eingeschränkt Erfolg. In der Werkstatt gäbe es keine Reparatur, sondern nur die Möglichkeit, die unerwünschte Funktionsweise des Autos abzumildern. Aus einem solchen Auto hätte ich aussteigen können. Nicht so aus meinem Körper.
Wer an Schmerzen, Verletzungen oder Entzündungen leidet, dem hilft eine entsprechende Heilungsgewissheit. Handelt es sich um ein Leiden, das wir als heilbar einordnen, wie beispielsweise einen Schnupfen, einen Schnitt im Finger, einen gebrochenen Arm, eine Unverträglichkeitsreaktion, sorgen wir schnellstmöglich für die Beseitigung der schädigenden Ursache und widmen uns unserer Heilung. Wir haben einen Plan, sind optimistisch gestimmt und vertrauen auf unser Tun.
Alles, was uns quält, ohne dass wir Aussicht bzw. Gewissheit auf Abhilfe entwickeln können, macht hingegen ratlos und erfüllt mit Sorge. Das gilt auch für einen chronisch verlaufenden entzündlichen Prozess im eigenen Körper. Dass in meinem Körper etwas schief lief, stellte ich an Schmerzen und Schädigungen durch die RA fest. Also suchte ich nach Hilfe zur Ausheilung und bekam medizinische Diagnosen und Mittel zur Unterdrückung von Symptomen. So wurde mein Leben eher zum Krankheitsmanagement als zum Heilungsweg. Die Erkrankung erlebte ich als unberechenbar, unkontrollierbar mit den Mitteln, die ich selbst hatte. In Bezug auf Ausheilung war ich zu der Überzeugung gelangt: „Ich schaffe es nicht, alle anderen schaffen es nicht, niemand kann es schaffen.“
Aus unserem eigenen Erleben, aus eigener Beobachtung erwächst die stärkste Form unserer Überzeugung. Das ist die Form der Überzeugung, bei der man sich sicher ist, zu wissen und nicht nur zu glauben. Hält man Ausheilung für unmöglich, hat man ab diesem Punkt neben der Erkrankung auf jeden Fall noch ein weiteres Problem mehr:
Heilungsbemühungen erscheinen nun aus „gutem Grund“ sinnlos.
Damit dieser Punkt für mich kein Endpunkt wurde, half mir die Orientierung auf die erwünschte Ausheilung. Solange ich sie nicht erreicht hatte, befand ich mich auf der Suche und musste auch Kummer und Unsicherheiten dabei ertragen. Meine Leitfrage lautet immer wieder: „Reicht mein Wissen oder das Wissen anderer schon aus, um mich zu heilen?“.
“Sorge dafür, das zu haben was du magst, oder du wirst gezwungen werden, das zu mögen was du hast.“
George Bernard Shaw¹
Oft höre ich von betroffenen Menschen den Satz: „Rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar!“
Schon gar nicht durch den Betroffenen selbst, denn:
„Wenn schon mein Arzt (als Gott in Weiß) nicht weiß, wie die rheumatoide Arthritis tatsächlich geheilt wird, wie soll ich (einfacher Mensch) es dann herausfinden?“
Die zugrunde liegende Argumentation nach dem Eher-und-Weniger-Prinzip lautet: „Wenn etwas dem, dem es eher zukommen könnte, nicht zukommt, dann ist offensichtlich, dass es auch nicht dem zukommt, dem es weniger zukommen könnte.“²
Wem etwas eher zukommen könnte, wird zumeist recht schnell mit Blick auf das Wissen des Mediziners beantwortet: „Dem Arzt natürlich!“ Diese Überzeugung wiegt schwer.
Viele Betroffene vertrauen ihrem Körper dann nicht mehr und resignieren bezüglich ihrer Selbstwirksamkeit.
Im Umgang des betroffenen Menschen mit seiner rheumatoiden Arthritis spielen selbstbezogene Überzeugungen eine wichtige Rolle.
Eine negative Selbstüberzeugung könnte dann so aussehen: „Ich will nicht krank sein und trotzdem greift sich mein Körper an. Mein Körper entzieht sich meinem Einfluss. Selbst kann ich gegen die Ursache meiner Erkrankung nichts tun, weil ich ihre biochemischen Vorgänge nicht beeinflussen kann oder die Erkrankung erblich bedingt ist. Also ist eine Heilung durch mich nicht möglich.“
Solche Überzeugungen sind geeignet, als sich selbst erfüllende Prophezeiungen³ zu wirken: Das Ergebnis entspricht der inneren Überzeugung und bestätigt diese wiederum. Die implizite Folgerung: „Sie machen sich bzw. ich mache mich selbst krank/kaputt!“, transportiert die Überzeugung von einer eigenen Schuld an der Erkrankung, das Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Selbstwirksamkeit gerät ins Wanken. Das hebt nicht wirklich die Motivation. Die Suche nach den Ursachen und Lösungen durch den Betroffenen versandet.
So wird der Betroffene auch zum inneren Klienten (Abhängigen) der Schulmedizin. Als solcher lässt er Symptome unterdrücken und wird infolge dieser Symptomunterdrückung durch die Nebenwirkungen aggressiver Medikamente, die selbst keine Heilung herbeiführen, noch mehr zerstört.
Wie soll man auch gesunden können, wenn die RA doch eine „Autoimmunerkrankung“ oder „genetisch bedingt“ ist oder „biochemische Vorgänge ablaufen, die die eigenen Gelenke zerstören“ und „nicht zu beenden” sind?
Wenn medizinische Fachbegriffe für den Betroffenen zu Worthülsen geworden sind, bedeuten sie lediglich Leerformeln oder fragmentarisches Wissen und werden dann als Endpunkt in seiner eigenen Einfluss- und Erkenntnismöglichkeit gewertet. Das behindert das eigene Verständnis, die eigene Motivation, das eigene Handeln und erschwert Selbstheilungsbemühungen und -erfolge.
Petermann et al. beschreiben den verständnisbehindernden Gebrauch solcher Worthülsen, deren „[…] Verwendung […] sich aber auch vermuten [lässt] bei Erklärungen, wie „das ist genetisch“, „das ist psychosomatisch“ oder „es funktioniert elektrisch““, und verweisen als ein bewährtes Gegenmittel auf die Frage „Ja, aber wie?“⁴
Auf die Diagnose rheumatoide Arthritis/chronische Polyarthritis folgte für mich keine ursächliche Hilfe gegen Schmerzen, Entzündung und Bewegungseinschränkungen. Die Aussage meines Arztes, dass eine Heilung der rheumatoiden Arthritis grundsätzlich nicht möglich sei, behinderte meine Suche nach Ausheilung, schränkte meine Möglichkeiten genau um die sehnlichst gewünschte Gesundung ein. Ich aber wollte mich nicht mit der Erkrankung abfinden, mich nicht mit ihr einrichten, sie nicht als einen Teil von mir annehmen lernen, kein Patient bleiben.
Mein eigenes Herangehen formte ich zunächst in meinen Überlegungen. „Der Schüler ist der reinen Lehre am nächsten“, las ich. Das leuchtete mir sofort ein, denn der Lernende, Wachsende, steht unmittelbar im Prozess des Seins und Werdens. In diesem Sinne nahm ich diese rheumatoide Arthritis als zu bewältigende Herausforderung auf meinem Weg, von der ich lernen konnte.
Als Mensch mit RA war ich von der Erkrankung unmittelbar selbst am stärksten betroffen. Für mich gibt es keine größere körperlich und seelisch existenzielle Nähe als die des unmittelbar Selbst-betroffen-Seins.
Deshalb ist für mich immer der Betroffene derjenige, der die höchste Motivation entwickeln kann, ausdauernder und unnachgiebiger als jeder andere für sich, für seine Heilung zu kämpfen. Sie ist sein ureigenstes Interesse.
Da war also zuerst ich selbst gefragt! Meine Heilung war mein ureigenstes Interesse! Mit der Zeit wurde ich mein eigener Coach⁵.
Ich bildete meinen eigenen Eher-und-Weniger-Satz: „Wenn es den, den es unmittelbar und existenziell betrifft, nicht zur Mobilisierung aller erdenklichen Möglichkeiten (einschließlich des Weiterentwickelns und Weiterlernens) veranlasst, wie sollte es dann den veranlassen, den es weniger (mittelbar durch berufliches oder/und sonstiges Interesse) betrifft?“
Von da an habe ich meine Sache aktiver vertreten als andere das je für mich hätten tun können.
Als tauglich auf dem Weg zur Heilung erwiesen sich die mir selbst ständig wieder neu gestellten Fragen: „Ja, aber wie?³” Wann? Wobei? Mit ihrer Hilfe habe ich die Antworten und Erkenntnisse gefunden, die sich in meinen HeilÜbungen wiederfinden lassen.
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